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26. August 2008 2 26 /08 /August /2008 14:45

Alljährlich wird sie präsentiert, und ebenso alljährlich sorgt sie für Schlagzeilen und betrübte Gesichter engagierter Naturschützer. Heuer traf es uns besonders bitter, gibt es doch auf der Liste einen neuen Spitzenreiter, der Blauwale und Säbelzahntiger von den vorderen Plätzen verdrängt hat und dessen Verlust wir als Menschheit unmöglich verkraften könnten.

 

In freier Wildbahn sind sie praktisch gar nicht mehr anzutreffen, und selbst an ihren Brutplätzen in Spanien so gut wie ausgestorben. Einst in ganz Europa verbreitet, schrumpfte ihre Population auf eine Zahl zusammen, die das Aussterben zur traurigen Gewissheit macht. Vorbei die Zeiten, als man sie noch mit freiem Auge bei ihrem faszinierenden Balzverhalten oder ihrem auf Menschen etwas befremdlich wirkenden sozialen Gebärden beobachten könnte.

 

Liebe Naturschützer, wir müssen es uns eingestehen: Die Deutschen sterben aus! Sie wollen oder können sich nicht mehr in ausreichender Menge fortpflanzen, sodass wir heute vor den erbarmungswürdigen Resten ihrer eins stolzen Population stehen.

Wir alle wollten die Schlagzeilen nicht wahrhaben, die verkündeten: „Deutsche sterben aus“. Wie auch? Viel zu lange haben wir es als selbstverständlich hingenommen, sie überall anzutreffen.

Selbst in der Antarktis konnte man sicher sein, dass irgendwo zwischen geistig verwirrten Pinguin-Rudeln ein Deutscher auftauchte und einen fragte, ob man ihn denn fotografieren könne und ob man aus Stuttgart komme.

 

Aus, vorbei. Und wie es meistens der Fall ist, war der Niedergang schleichend und wiegte uns in trügerische Sicherheit. Noch vor wenigen Jahrzehnten erstreckte sich ihr Lebensraum über fast ganz Europa; bis nach Russland und Afrika stießen sie auf ihren ausgedehnten Wanderungen vor. Selbst schießwütige amerikanische Cowboys konnten ihren Bestand nicht gefährden.

 

Und jetzt das. Woran der rätselhafte Rückgang der Art liegen mag, ist umstrittener Punkt zahlloser Spekulationen. Manche, wie Al Gore, sehen die Ursachen im Klimawandel. Andere wiederum glauben, es liege am drastischen Rückgang des Äthanols, der die Weibchen den Männchen nicht attraktiv genug erscheinen lässt, um sie zu begatten.

Daneben existieren einige exotische Theorien, die man eher ins Reich der Fabeln verweisen kann, wie etwa Rückgang der Zeugungsfähigkeit auf Grund der Handystrahlung.

 

Eine interessante, heftig umstrittene Hypothese stellte erst kürzlich ein englischer Wissenschaftler auf. Sein Zugang zur Problematik ist reichlich ungewöhnlich. Demnach hängt das Aussterben der Deutschen mit ihrem staatenbildenden – ähnlich dem Verhalten der Ameisen oder Bienen – Grundwesen zusammen. Traditionell ist die Art darauf konditioniert, ihr Leben dem Staatswesen unterzuordnen und praktisch die ganzen Früchte seiner Arbeit diesem abzugeben, um dem Gemeinwohl zu dienen.

Der umstrittenen These nach führten soziale Spannungen dazu, dass dieses ungemein kluge System kollabierte, da den meisten Individuen kaum noch genug Früchte verbleiben, um eine eigene Kolonie zu gründen. Als Folge davon wird immer weniger Nachwuchs gezeugt.

 

Ob diese Theorie im Einzelnen stimmen mag oder nicht: Wir werden sie vermissen, die fleißigen Deutschen. Sie, und ihre süßen Früchte, die sie einst in die ganze Welt trugen.

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  • : In den letzten Jahren prasselten jede Menge Lexika auf uns ein. Manche mit ernstem Hintergrund (Gelderwerb der Autoren), andere sehr launig und nicht ganz ernst gemeint. Ausgerechnet das wichtigste Lexikon wurde uns bislang vorenthalten, nämlich jenes der bösen Gedanken, die wir nicht auszusprechen wagen. Dabei benötigten wir gerade ein solches Buch dringend, sehen wir uns doch täglich mit Situationen konfrontiert, die uns Contenance abverlangen, obwohl wir unseren Ärger nur zu gerne hinausschr
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