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6. September 2008 6 06 /09 /September /2008 17:11

Es gibt Erfindungen, ohne die das Leben gar nicht mehr vorstellbar wäre, weil sie unser Dasein enorm bereichern. Was haben die Leute eigentlich vor der Erfindung des Fernsehers den ganzen Tag lang zu Hause gemacht? Mussten die mit ihren Ehepartnern reden? Oder gar mit ihren Kindern spielen?

 

Und wie überlebten Bauern die harten Wintermonate, zu Hause eingesperrt mit einer verhärmten Ehefrau, die zum zehnten Mal schwanger war, neun plärrenden Balgen, den eigenen Eltern, deren Eltern, den Hunden der Geschwister, den Eltern der Hunde, und so weiter? Ohne Fernseher? Ohne Radio? Ohne Drogen? Bei der bloßen Vorstellung an solche entsetzlichen Zustände wird mir ganz anders und ich muss die Rasierklingen vorsichtshalber verstecken. Habe ich wenigstens etwas, auf das ich mich zu Ostern freuen kann.

 

Ja, und dann gab es einmal eine Welt ohne Klingeltöne. Klingeltöne, das sind die Königsdisziplin der freien Marktwirtschaft: Nutzlos, sauteuer und nerven wie nur was. Ist es tatsächlich nur wenige Jahre her, dass uns statt Klingeltönen Ghettoblaster auf den Senkel gingen?

Eine Welt ohne Klingeltöne … unvorstellbar! Auf MTV würden langweilige Musikvideos, statt peppiger Klingelton-Werbungen laufen, dieser dauergeile Frosch, den selbst der überzeugteste Umweltschützer jederzeit plattfahren würde, hätte nicht die Charts gestürmt und Jugendliche würden Mozart nicht kennen. „Mozart … is’ das nicht der Typ, der den endgeilen Klingelton auf’m Uwe sei’m Handy gemacht hat, ey?“

 

Und wer kennt nicht diese gespannte Ruhe im Kinosaal, wenn der Film nach der kurzen, einstündigen Werbepause beginnt und man darauf wartet, wann endlich das erste Handy klingelt und ein gelangweilter Teenie den stets gleichen Satz brüllt, um die Explosionen auf der Leinwand zu übertönen: „Ich bin im Kino!“

Vor ein paar Wochen erhielt ich in meinem Stamm-Kino Hausverbot, weil ich während des Films begonnen hatte die Besucher zu fragen, wann ihr beschissenes Handy denn endlich klingle, damit ich mir in Ruhe den verkackten Film anschauen könne.

 

Wenn es nach mir ginge, würde ich alle Klingeltöne bis auf zwei leider noch nicht existente verbieten. Der eine wäre Heintjes “Mamaaa!“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand diesen ernsthaft auf sein Handy laden würde.

Der andere wären gerappte Mohammed-Satiren. Ich weiß nicht recht, wie ich das an dieser Stelle ausdrücken soll … ich vermute einfach einmal, auch hier würde sich das Problem von selber lösen …

 

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Published by Rainer - in Alltag
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  • : Lexikon der bösen Gedanken
  • Lexikon der bösen Gedanken
  • : In den letzten Jahren prasselten jede Menge Lexika auf uns ein. Manche mit ernstem Hintergrund (Gelderwerb der Autoren), andere sehr launig und nicht ganz ernst gemeint. Ausgerechnet das wichtigste Lexikon wurde uns bislang vorenthalten, nämlich jenes der bösen Gedanken, die wir nicht auszusprechen wagen. Dabei benötigten wir gerade ein solches Buch dringend, sehen wir uns doch täglich mit Situationen konfrontiert, die uns Contenance abverlangen, obwohl wir unseren Ärger nur zu gerne hinausschr
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