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9. November 2008 7 09 /11 /November /2008 10:00

Interviews können enorm spannend sein, vorausgesetzt, die interviewte Person ist auch nur ansatzweise interessant und der Fragensteller nicht restlos gelangweilt.

 

Als besonders sinnbefreit und stupide erweisen sich seit jeher Sportreporter, besonders jene, die sich mich dem Alpinen Sport, also etwa Skifahren, Skispringen oder Skiliftfahren, auseinandersetzen müssen. Solche Veranstaltungen kranken in erster Linie an ihrer entsetzlichen Langatmigkeit.

 

Während eine Fußballspielübertragung wenige Minuten vor dem Ankick beginnt, halten es die Fernsehsender für nötig, den Konsumenten eine Stunde vor dem Start des ersten Läufers mit Bergaufnahmen oder spektakulären Bildern von Schneefall oder dämlich in die Kamera winkenden Zuschauern in sanften Schlummer zu versetzen (der leider oft abrupt durch Kuhglockengebimmel durchgeknallter Schweizer Skifans unterbrochen wird; was sind das für Menschen, die sich mit Kuhglocken stolz den Fernsehkameras präsentieren? Gibt es auch Leute, die sich Hundehalsbänder anlegen oder von ihrer Gattin an der Leine Gassi geführt werden?).

 

Der eigentliche Horror setzt jedoch erst nach dem Rennen ein, wenn den glücklichen oder enttäuschten Sportlern ein phallusförmiges Mikrophon wie eine obszöne Aufforderung vor den wehrlosen Mund gehalten und die stets gleichen Fragen gestellt werden.

 

„Wie fühlen Sie sich?“

Welche Antwort kann man auf eine solche Frage geben? Wenn ein Sportler gewonnen hat, wird er vermutlich froh darüber sein, und wenn er Letzter geworden ist, tendenziell eher nicht.

Ich habe mir schon oft überlegt, welche Antwort ich darauf geben würde.

Zum Beispiel: „Mein Arsch friert mir gleich von der Kälte ab, ich habe mir den linken Zeigefinger gebrochen und seit mir ein vertrottelter Tourist seine Skistöcke in die Eier geschlagen hat, bin ich impotent. Was denken Sie denn, wie ich mich fühle? Idiot!“

 

Gesetzmäßig folgt dieser Einstiegsfrage das unvermeidliche: „Wie fanden Sie die Piste?“

a)                „Ich stieg aus der Gondel und da war sie auch schon.“

b)                „Das Fahren fiel mir schwer, weil ich vom Vortag noch einen Kater hatte.“

c)                „Ich war von den Fallgruben und der Sprungschanze überrascht.“

 

Und natürlich der Klassiker unter den dämlichen Reporterfragen: „Woran lag es, dass Sie heute nur Sechzigster wurden?“

Vielleicht daran, dass die meisten anderen schneller gefahren sind?

 

Dabei gäbe es doch so spannende Fragen, die man den Sportlern stellen könnte!

 „Was halten Sie davon, dass ich vor einer halben Stunde Ihren Manager mit Ihrer Freundin in der Wäschekammer erwischte? Könnte das Ihre gemeinsame Zusammenarbeit trüben?“

 

„Stimmt es, dass Sie noch mit 10 Jahren ins Bett pullerten?“

 

„Sie sind schon wieder Letzter geworden. Wieso versuchen Sie es nicht einmal mit anständiger Arbeit?“

 

„Denken Sie allen Ernstes, Ihre Frau, die ein Supermodel ist, hätte einen hässlichen, unsympathischen Giftzwerg wie Sie nicht bloß wegen Ihres Geldes und Ruhmes geheiratet?“

 

Die wichtigste Frage aber, die wir uns alle stellen und ganz ehrlich beantworten sollten, lautet natürlich: Wieso schauen sich Leute freiwillig stinklangweilige Sportveranstaltungen an?

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Published by Rainer - in Sport
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  • : In den letzten Jahren prasselten jede Menge Lexika auf uns ein. Manche mit ernstem Hintergrund (Gelderwerb der Autoren), andere sehr launig und nicht ganz ernst gemeint. Ausgerechnet das wichtigste Lexikon wurde uns bislang vorenthalten, nämlich jenes der bösen Gedanken, die wir nicht auszusprechen wagen. Dabei benötigten wir gerade ein solches Buch dringend, sehen wir uns doch täglich mit Situationen konfrontiert, die uns Contenance abverlangen, obwohl wir unseren Ärger nur zu gerne hinausschr
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