Sunday, 20. june 2010 7 20 /06 /Juni /2010 11:07

Da die Erderwärmung offenbar gerade an Verkühlung leidet und das Bettchen hüten muss, vertreiben wir ihr doch die Zeit mit dem Vorlesen grandioser "Bild"-Schlagzeilen des gestrigen Tages.

 

Bekanntlich sind nur bad news good news, wovon das Leitorgan der "Generation Nix" keine Ausnahme bildet. Konsequenterweise dominiert eine Katastrophenmeldung die Online-Ausgabe des großformatigen Comics für Erwachsene. Nein, nicht die blutigen Unruhen in Kirgistan, die Menschenrechtslage in China oder die Eröffnung der größten Tankstelle der Welt im Golf von Mexiko. Natürlich ist die Rede von der demütigenden Niederlage der deutschen Zehn gegen die serbische Elf im Rahmen der als Sportveranstaltung getarnten Penisvergleichsshow. Nachdem die Serben völlig überraschend den Längeren hatten, lautet die bedrohliche Schlagzeile: "Jetzt müssen wir vor Ghana zittern".


Ich muss freimütig gestehen, eine völlig neue Facette der Angst zu entwickeln. Bislang zitterte ich vor Mathematikstunden, dem Arzt oder Kälte. Dem fügt sich nunmehr Ghanaphobie hinzu. Wovor ich konkret Angst habe? Dass sich Deutschland mit der Bevölkerungsentwicklung Ghanas infizieren könnte. Innerhalb von einem Vierteljahrhundert verdoppelte sich dort die Bevölkerung. Man stelle sich eine ähnliche Entwicklung in Deutschland vor. Bereits die derzeit rund 80 Millionen Deutsche nötigen mir Respekt ab. 160 Millionen von denen? Hilfe!

 

 

Zufälligerweise findet heute die Hochzeit des Jahres statt. "Heute um 16 Uhr sagen sie ja" - gemeint sind Prinzessin Victoria von Schweden und ein gewisser Daniel, der sich hernach "Prinz von Schweden" titulieren wird dürfen. Eine steile Karriere: Vom Fitnesstrainer zum Prinzen! Allein, der Name ist unglücklich gewählt. IKEA käme nie auf die Idee, einen Barhocker oder ein Regal "Daniel" zu benennen. Schweden heißen "Björn" und "Sven" und "Ulf" - das sind Namen! Aber doch nicht Daniel.
"Hallo! Ich bin Dani von Schweden!"
"Angenehm. Gibt's dich auch mit Sahne? Höhöhö!"
Nein, das deckt sich einfach nicht mit meinen Vorstellungen eines Wikinger-Erben.
Übrigens: Sollte eine junge, attraktive, betuchte Single-Prinzessin noch auf der Suche nach dem Frosch fürs Leben sein, könnte ich mich unter Umständen erweichen lassen. Verwandlung in einen Traumprinzen kann ich nicht versprechen.

 

 

Die Enthüllungsstory des Jahres: "Der Bundespräsidenten-Kandidat ist in vielen Fragen ganz anderer Meinung als diejenigen, die ihn vorschlagen." Ja, ist das denn die Möglichkeit! Wo bleibt denn da die demokratische Pflicht zur Einheitsmeinung?

 

 

Der Lena-Funk meldet: "Lena schlägt George Clooney". Unerhört! Was bildet die sich ein?
Ah, doch es gibt Entwarnung: Es handelt sich um das Ergebnis einer Umfrage zur interessanten Frage, mit welchem Promi die Deutschen am liebsten ihren Urlaub verbringen würden. Dabei setzte sich Lena vor Horst Köhler und Angela Merkel durch. Wo diese Umfrage erhoben wurde? In einem Chat.
Daraufhin startete ich meine eigene groß angelegte und selbstverständlich repräsentative Chat-Umfrage zum Thema: "Werden die Deutschen tatsächlich immer dümmer, wie Bundesbank-Vorstand Sarrazin meinte?"
Die Ergebnisse: 21% der Befragten schlug mir die Fickung vor, 19% antworteten "neinn", 2% wollten mich unbedingt kennenlernen, nachdem ich ihnen Geld fürs Flugticket aus Russland schicken sollte, 58% verstanden die Frage nicht.

Lyrik des Tages: "Auch Schweinis Sarah war da". Gemeint ist die Freundin von Kicker Bastian Schweinsteiger
Schweini-Liebe. Interessanterweise erwähnt der Artikel seinen richtigen Namen überhaupt nicht, spricht nur von "Schweini". Seine Herzensdame avanciert gar zur "Schweini-Liebe". Man merkt einfach, dass da zu Recht hochbezahlte, professionelle Journalisten am Werk sind ...

 

 

Das Sex-Geständnis des Tages kommt von einem anderen Kicker, nämlich Schalkes Rafinha „Diesmal komme
ich pünktlich“. Vielleicht klickte er ja auf eine jener Websites, vor denen die Sex-Schlagzeile des Tages mit den Worten: "So gefährlich ist Sex im Internet" warnt. Auch ich warne ausdrücklich vor ungeschützem Sex im Internet: Viren und Würmer können auch von teuren Eierwalls nicht gestoppt werden, nisten sich im Körper des Internetsexers ein und verwandeln sein Gehirn binnen Sekunden in Erdbeergelee.
Wobei: So schlimm ist das eigentlich gar nicht ...

von Rainer - veröffentlicht in: Medien
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