Artikel teilen! Frauenfußball, oder: Die Entdeckung der Langsamkeit: Alle reden über Frauenfußball, aber keiner guckt sich die Spiele an. Schuld daran trägt ...
Alle reden über Frauenfußball, aber keiner guckt sich die Spiele an. Schuld daran trägt ausnahmsweise nicht das unterdrückerische Geschlecht, sondern ein fundamentaler Irrtum in der Wahrnehmung dieser Randsportart. Frauenfußball soll gemäß feministischer und politisch korrekter Diktion als dem männlichen Gegenstück ebenbürtig verstanden werden. Eine absurde Wahnvorstellung, die bei jedem Spiel offenkundig wird. Ebenso gut könnte man den österreichischen Fußball ernstnehmen.
Ehe sich der/die geneigte LeserIn über diese empörende Verunglimpfung der emanzipatorischen Erstürmung der vorletzten Männerbastion dermaßen ärgert, dass weiblichen Lesern vor Schreck das Bier aus der Hand gleitet, das sie ihrem Liebsten bringen sollen, lassen Sie mich eines erklären: Es hat schon seinen Sinn, weshalb eine Banane nicht wie ein Apfel schmeckt. Ähnlich verhält es sich beim Vergleich des Frauen- mit dem Männerfußball. Welten trennen diese Sportarten - und das ist gut so!
Früher, in den Zeiten vor Millionengagen, Werbeaufträgen, Autogrammstunden und dergleichen, war der Fußball eine herzhaft rustikale Angelegenheit. Selbst italienische Kicker waren auf dem Platz öfters vertikal, als horizontal anzutreffen, Fußballer mit Schwabbelbäuchen erzielten Tore, und wenn der Ball im Out landete wurde das Spiel angehalten, bis exakt jener Ball wieder gefunden und ins Spiel zurückgebracht wurde. Mit dem durchkommerzialisierten Mediengetöse heutiger Tage hatte jener Fußball nichts zu tun.
Wer es satt hat millionenteuren Kickern dabei zuzusehen, wie sie neunzig Minuten lang über den Platz wieseln, ohne aus der Puste zu kommen, technische Raffinessen auspacken, hart in Zweikämpfe gehen und bei jedem Tor jubeln, als hätten sie gerade etwas Bedeutendes für die Menschheit geleistet und nicht einfach ein Stück Plastik von A nach B bewegt, der hat zwei Möglichkeiten: Er kann der Österreichischen Nationalmannschaft bei ihrem vergeblichen Bemühen zugucken, auch nur ein einziges Spiel zu gewinnen.
Oder er genießt die Frauenfußball-WM. Völlig überforderte Spielerinnen flanieren über das Grün, weichen erschrocken zurück, sobald sich eine Gegnerin nähert (fällt das eigentlich unter Mobbing?), geben Schüsse ab, die beim Männerfußball als Out-Einwürfe durchgingen, und ahmen in putziger Manier das Jubelverhalten von Ronaldo & Co nach (vier Meter sprinten, zwei Meter auf den Knien rutschen, Arme nach oben reißen, sich von den Mitspielern küssen lassen, was überhaupt nicht homoerotisch wirkt).
Selbst ein Konter wirkt beim Frauenfußball so, als würde man eine Zeitlupenwiederholung sehen. Die Renaissance gepflegter Langsamkeit - einfach gemütlich! Kein hektisches Getümmel im Strafraum, keine Knochenbrecher-Verteidiger, kein unappetitliches Spucken und Rotzen aufs Spielfeld. Ruhig fließt das Spiel neunzig Minuten lang dahin, ab und an rollt der Ball - meist eher zufällig - ins Tor, woraufhin die Zuschauer höflich klatschen, anstatt Leuchtraketen abzufeuern oder mit Bierdosen nach dem Tormann zu werfen.
Kurzum: Frauenfußball ist eine wohltuende Oase inmitten der sportlichen Hektik. Der Weg ist das Ziel. Denn ist es nicht völlig einerlei, ob der Ball mit der Geschwindigkeit einer abgefeuerten Kanonenkugel ins Tor gewuchtet wird oder im Schritttempo über die Linie rollt? Treffer ist Treffer. Dafür ist der Weg dahin ungleich entspannender. Jeder vorsichtige Einfall in den gegnerischen Strafraum wird zur mediativen Entspannungsübung für den Zuschauer.
In diesem Sinne: Her mit den kleinen Engländerinnen!
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