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25. April 2011 1 25 /04 /April /2011 12:47

In Deutschland ist es mit dem Glücksspiel so eine Sache: online Casinos gibt es wie Sand am Meer, aber die rechtliche Grundlage dafür sagt eigentlich: Zocken um Geld im Netz = verboten. Was soll man da als leidenschaftlicher Spieler tun? Die Grauzone betreten, denn die herrscht beim derzeitigen Glücksspielstaatsvertrag noch. Zocken im Online Casino (von ausländischen Anbietern) ist zwar nicht erlaubt, verfolgt wird es aber meist nicht.

 

Doch beim Thema Glücksspiel tut sich etwas in Deutschland, dem verstaubten Staatsvertrag von 2008 wird es in diesem Jahr an den Kragen gehen. Der Grund dafür: Er läuft Ende 2011 aus und die Ministerpräsidenten der Länder müssen sich nun etwas neues einfallen lassen. Denn so wie bisher geht es mit dem Vertrag nicht weiter. Neue Casino Regeln müssen her!

 

Gerichtshof spricht ein Machtwort

Im vergangenen Jahr nämlich sprach der Europäische Gerichtshof ein Machtwort, was die deutsche Glücksspielregelung angeht. Diese sei nicht kohärent genug, um Spielerschutz wirklich zu gewährleisten und verstoße auch noch gegen das in der EU geltende Dienstleistungsfreiheit. Das staatliche Monopol auf Glücksspiele aller Art geriet heftig ins Wanken.

 

In Kiel freute man sich über das Urteil, denn dort denkt man schon länger darüber nach, im Alleingang weiter zu machen und dem Glücksspielstaatsvertrag den Rücken zu kehren. Das tut man dort auch immer noch, denn die aktuellen Änderungen, die kürzlich bei der Ministerpräsidentenkonferenz diskutiert wurden, reichen den Regierenden in Schleswig-Holstein nicht aus. Sie wollen den Markt noch weiter öffnen.

 

Was ist neu geplant?

Was haben die Ministerpräsidenten für Ideen? Das beste online Casino werden sie den Bürgern leider nicht bieten, denn hier sollen nur konzessionierte Spielbanken mitmischen dürfen. Für ausländische Anbieter (die weit mehr Erfahrung auf diesem Gebiet haben), soll der Markt nicht geöffnet werden. Um Spielsucht vorzubeugen müssen die Spieler ein Internet-Bargeld-Konto eröffnen.

 

Beim Lotto soll offenbar alles beim alten bleiben, hier behalten die Länder ihr Lotto-Monopol, außerdem soll es „erlaubnisfähige Klassen-, Sozial- oder Fernsehlotterien geben. Bei den Sportwetten konnte sich die Ministerpräsidenten zu etwas mehr Liberalisierung durchringen: Sieben Konzessionen sollen an private Anbieter vergeben werden – zunächst allerdings begrenzt auf fünf Jahre.

 

Doch so ganz zeitgemäß sind diese Regelungen noch immer nicht, auch deshalb hält Schleswig-Holstein weiter am Alleingang fest. Vielleicht wird Deutschlands Norden bald zum Paradies für Spieler. Wir werden abwarten müssen, wie es mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag weiter geht.

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22. August 2010 7 22 /08 /August /2010 08:57

Für Antifanten wird es immer schwieriger, den zu besiegenden Feind überhaupt noch als solchen zu erkennen. Früher, ja, da war es noch ganz einfach! Da liefen die Nazis in ihren Braunhemden herum, johlten idiotische Parolen und machten aus ihrer Gesinnung kein Hehl. Leider existierten damals noch keine tapferen Kämpfer wieder Rechts, die den Siegeszug des Faschismus hätten aufhalten können. Heute, da es sogar Rechtsextremismusexperten an den Unis gibt, ist das Aufspüren von Neo-Nazis zu einer ungemein komplexen Materie geworden.

"Der Kleidungsstil in der extrem rechten Szene ist heterogener geworden", sagt Martin Langebach, Rechtsextremismusexperte an der Universität Düsseldorf. Dazu kommt: Manche Kleidung ist nur noch schwer als Faschofashion zu erkennen. "Das Klischee Bomberjacke und Springerstiefel gilt schon lange nicht mehr", sagt Andreas Klärner von der Universität Rostock.

Man sieht: Die Neo-Nazis haben dazugelernt. Nach nur wenigen Jahrzehnten haben sie herausgefunden, dass sie sich durch Ablegen der Bomberjacke quasi unsichtbar fürs rechtsextreme Radar machen können.

Besonders perfide:

Experten beobachten, dass in der rechtsextremen Szene inzwischen oft Modemarken getragen werden, die nur von Kennern auf den ersten Blick als verdächtig erkannt werden. "Manche verfolgen eine bewusste Strategie der Mimikry, so dass Außenstehende nicht sofort erkennen, wofür ihre Kleidung steht", sagt Rechtsextremismusexperte Langebach. "Andere Mitglieder der Szene wissen es natürlich sofort."

Hier wären die Experten in Sachen "faschistische Kleidung" gefordert mir zu verraten, welche Kleidung ich tragen darf und von welcher ich besser Abstand nehmen sollte. Oder sollt ich auf Nummer sicher gehen und eine Kippa tragen? Aber was, wenn Neo-Nazis plötzlich beginnen, sich als Juden zu tarnen?
Herrje, ist das kompliziert! Können die nicht einfach wieder ihr Bomberjäckchen tragen, sich den Kopf rasieren und irgendeinen Schwachsinn brüllen?

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1. Mai 2010 6 01 /05 /Mai /2010 17:36

Bald ist Muttertag - Anlass genug für geschäftstüchtige Unternehmen, die finanziell noch nicht völlig ausgeblutete Kundschaft sanft an den rechtzeitigen Kauf eines Geschenks zu erinnern, um Mutter die seinerzeitige Entscheidung gegen eine Abtreibung nicht lautstark reuen zu lassen. In Deutschland wurde der Muttertag übrigens von findigen Floristen propagiert und konsequenterweise vom GroFaZ (Größter Florist aller Zeiten) übernommen. Tausende junge Männer wurden dazu angehalten, ihren Müttern das größte aller Geschenke zu offerieren: Die Opferung des eigenen Leibes zwecks natürlicher Düngung des Bodens, auf dem wiederum Blumen prächtig gediehen. So schließt sich also der Kreislauf der Natur.

 

Im Laufe der Zeit gerieten Blumensträuße und stotternd vorgetragene Gedichte, in denen jedes dritte Wort "Danke" lautete, außer Mode. Doch was empfiehlt sich abseits von Blumen, Konfekt oder Kaffeemaschinen als Muttertagsgeschenk? Ein Blick auf die Startseite des Shoppingportals "Mamazon" liefert allerlei nützliche Vorschläge. Nebst Klassikern wie Schmuck, Uhren oder Duftsets findet sich unter der einfühlsam: "Mama will... sich entspannen" betitelten Rubrik ein geradezu ideales Muttergeschenk: Einen verschämt als Vaginalsonde bezeichneten Dildo. Da heißt es in der Produktbeschreibung:

Die ergonomisch geformte Vaginalsonde passt sich der weiblichen Vagina besonders angenehm an und stimuliert so besonders sanft und intensiv und lässt gleichzeitig eine nahezu uneingeschränkte Bewegungsfreiheit bei der Anwendung zu.

Ja, da freut sich doch jede Mutti darüber, wenn ihr der zwölfjährige Kevin, Justin oder Jacquelin mit den Worten: "Liebe Mami! Alles Gute zum Muttertag! Ich hoffe, du freust dich darüber, dass dieses tolle Gerät sich deiner Vagina anpasst und sie sanft stimuliert" den Dildo überreicht.

 

Ich bin übrigens schon sehr gespannt auf die Vorschläge zum Vatertag ...

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16. Februar 2010 2 16 /02 /Februar /2010 20:11
Seit Wochen steht Europa ganz im Zeichen der schrecklichen Folgen der Erderwärmung: Kälte, Eisstürme, Glatteis, Schneefälle. Unter diesen dramatischen Verhältnissen - die Wissenschaftler sprechen von einem so genannten "Winter" - leiden Tiere, Pflanzen, Autos und Menschen. Immer wieder rutschen Menschen auf glattem Eis aus, müssen ins Krankenhaus und werden von der neo-liberalen Gesellschaft völlig im Unklaren darüber gelassen, wen sie auf Grund des Sturzes auf Schmerzensgeld klagen müssen. Zum Glück nimmt sich die "Bild" dieses Missstands an und erklärt, wer schuld daran trägt, wenn man hinfällt. Nützlicher Tipp an dieser Stelle: Verlassen Sie das Haus niemals alleine und tragen Sie immer eine Kamera bei sich, denn:
„Da Sie in der Beweispflicht sind, ist es am besten Zeugen zu suchen und Fotos zu machen. Bei schwereren Verletzungen ist dies allerdings häufig schwierig, weil man in dieser Situation meist andere Sorgen hat. Wenn der Krankenwagen kommen muss, können Sie sich auch die Kontaktdaten der Rettungssanitäter geben lassen, damit diese später bezeugen, dass Sie aufgrund der Glätte gestürzt sind.“
Deshalb, ganz wichtig: Auch bei einem Beinbruch kühlen Kopf bewahren und die Sanitäter dazu anhalten einen nicht sofort ins Krankenhaus zu bringen, sondern die korrekte Reihenfolge der Ersten Hilfe beachten: Erst kommt das Juristische, dann das Medizinische. Doch was ist, wenn man außerhalb eines bewohnten Gebietes stürzt?
„Bei nicht bewohnten Gebieten muss man sich informieren, wer den Sturz-Bereich betreut. Das kann beispielsweise die Kommune, das Land oder der Bund sein.“
Deshalb: Immer erst nachfragen, wer im Bedarfsfall verklagt werden kann, ehe man sich dem Risiko eines wenig ertragreichen Sturzes aussetzt. Einbrecher, die noch vor Ausführung ihres Broterwerbs auf dem Gehsteig vor dem Haus ausrutschen oder von einer Dachlawine getroffen werden, können den Hausbesitzer auf Schadenersatz wegen Verdienstentgangs klagen. Als Faustregel bei der Bemessung des Verdienstentganges werden meist 10% pro Diebeszug verrechnet. Kann ein Einbrecher beispielsweise glaubhaft nachweisen es auf den Neuwagen des Hausbesitzers abgesehen zu haben und der Wert des Wagens wird von Sachverständigen auf € 20.000 eingeschätzt, so erhält das Opfer rund € 2.000. Natürlich sollte man generell ohne einen Anwalt gar nicht erst das Bett verlassen um keine Gelegenheit zu versäumen, andere verklagen zu können. Konsultieren Sie deshalb einen Anwalt Ihres Vertrauens. Sollten dessen Honorarvorstellungen Ihre Finanzen übersteigen, winken Sie mit dem Zaunpfahl indem Sie auf die Eisplatte vor seiner Tür hinweisen, auf der Sie beim Verlassen des Hauses eventuell ausrutschen könnten ...
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17. Oktober 2009 6 17 /10 /Oktober /2009 10:08

Mit welcher Selbstverständlichkeit der Staat einen Teil seiner Bürger plündert, wird etwa am Pensionssystem deutlich. Gerade die Pensionen stellen ein Reizthema der Politik dar: Parteienvertreter jeglicher Coleur überbieten sich dabei, die immer größer werdende Klientel der Pensionisten zu umgarnen und ihnen zu versichern, dass ihre Pensionen nicht nur sicher sind, sondern auch beständig erhöht werden. In Österreich umwirbt insbesondere die SPÖ Pensionisten, was auch auf deren Website ersichtlich wird.


Dass die Anzahl der Pensionisten steigt und steigt liegt übrigens vor allem daran, dass kaum jemand seine Altersruhe mit dem gesetzlichen Pensionsalter antritt. Fast jeder versucht, sich so früh wie möglich aus dem Erwerbsleben ins abgesicherte Pensionssystem zu flüchten. Da wird dann auch schon mal aus dem Zipperlein ein "unerträgliches" Leiden, welches das Betreiben eines Berufes leider unmöglich macht. Oder vorgeblich psychische Leiden führen in die Frühpension, wo dann plötzlich wie durch ein Wunder sämtliche Depressionen geheilt werden.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die gängige Praxis der Frühpensionierung ist mir nur allzu verständlich. Angesichts des finanziellen Aderlasses von Erwerbstätigen stellt die Flucht in die Pension den einzigen noch sicheren Hafen inmitten des staatlichen Wahnsinns dar.


Aber lassen wir doch die SPÖ ihren Standpunkt einnehmen:

Die im Auftrag der Arbeiterkammer Wien erstellte Studie „Private Pensionssysteme auf dem Prüfstand – Auswirkungen der Finanzkrise“ zeigt, dass kapitalgedeckte Systeme nicht nur Opfer, sondern auch Mitverursacher des aktuellen Abschwungs sind. Die umlagefinanzierte öffentliche Alterssicherung ist meist billiger als private Modelle und auch langfristig finanzierbar. Zudem wirkt das öffentliche System antizyklisch und ist sozial fairer.

Wow ... da weiß man ja gar nicht, wo man mit dem Lachen an- und mit dem Weinen aufhören soll.


1. Arbeiterkammern sind de facto staatliche Institutionen. Natürlich nur zum Wohle der Bürger, klar! Finanziert werden diese durch Zahlungen ihrer Mitglieder. Mitglieder sind Arbeitnehmer (Ausgenommen Beamte, die ja bekanntermaßen am Hungertuch nagen, ständig um ihre Jobs fürchten müssen und entsetzlichem Leistungsdruck ausgesetzt sind - das kann sich so ein faulenzender, überbezahlter Bauarbeiter gar nicht vorstellen), die sich bequemerweise nicht erst um die Aufnahme bemühen müssen:

Der Beitritt erfolgt automatisch und ohne Aufwand für den Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin.

Arbeiterkammern stehen übrigens nicht nur dem Staat, sondern auch der SPÖ nahe. Wie unabhängig eine solche Studie deshalb ist, möge jeder für sich selbst entscheiden. Persönlich hege ich diesbezüglich eine kleine Prise Misstrauen.


2. "Die umlagefinanzierte öffentliche Alterssicherung ist [...] auch langfristig finanzierbar."
Stimmt: So lange genug Tro ..., äh, Arbeitnehmer einzahlen. Erinnert stark an Pyramidenspiele, aber das kann doch gar nicht sein: Schließlich sind Pyramidenspiele gesetzlich verboten, oder?


3. Bin ich eigentlich der Einzige, der die Floskel "sozial fair" seit ungefähr 10 Jahren einfach nicht mehr hören kann, ohne von orgiastischen Erbrechensreizen durchschüttelt zu werden? Wenn ein Straßenräuber einer alten Frau die Handtasche raubt, ist das auch "sozial fair", da die Einkommensschere zwischen dem armen Räuber und der viel zu wohlhabenden Dame ein Stückchen weit geschlossen wurde?


Aber weiter im Text:

"Österreichs staatliches Pensionssystem ist sicher, auch in Krisenzeiten“, bestätigt SPÖ-Seniorensprecher Christian Faul die Ergebnisse der Studie. Im Jahr 2008 ist bei den über die Börsen finanzierten Privatpensionen ein durchschnittlicher Verlust von 23 Prozent aufgetreten, aber keine Pensionistin und kein Pensionist hat in den letzten Jahren bei den staatlichen Pensionen weniger als in den vorangegangenen Jahren erhalten.

Nein, wirklich? Ich bin total verblüfft, ehrlich! Darf ich eine klitzekleine Frage dazu stellen? Könnte es sein, dass die staatlichen Pensionen eben deshalb keine Auszahlungsverluste aufweisen, weil sie entsprechend über die Beiträge gestützt werden? Soll natürlich keine Kritik an diesem "sozial fairen" System sein ...

Öffentliche Pensionssysteme sind keinen Risiken auf den Finanzmärkten ausgesetzt

Das stimmt. Die Risiken tragen nämlich einzig und allein die Steuerzahler. Nämlich das Risiko, bis zum Abwinken geschröpft zu werden, um die Wähler nur ja bei Laune zu halten.

Was wohlweislich verschwiegen wird ist, wie das Pensionssystem finanziert wird. Es basiert auf dem Prinzip des Umlageverfahrens, sprich: Geld wandert von der Tasche von A in die Tasche von B (abzüglich der Kosten für den staatlichen MIttelsmann, klar! Die immer fester am Hungertuch nagenden Beamten wollen ja auch von was leben). Reicht diese sozial faire Umverteilung nicht aus, muss A seinen sozial fairen Teil dazu beitragen, die sozial fairen Pensionen zu sichern.


Dieses System funktioniert seit Jahrzehnten wunderbar. Jedenfalls für jene, die Nettoempfänger sind. Für die freiwilligen Zwangsmitglieder bleibt der etwas ungute Gedanke: "Werde ich in x Jahren auch eine Pension erhalten?"
Die gute Nachricht ist: Ja! Werdet ihr!

Die schlechte Nachricht lautet: Mit klitzekleinen finanziellen Abstrichen. Denn: Leider werden die Menschen immer älter, statt wie früher sozial fair früh zu sterben. Gleichzeitig steigen die Beiträge.

Somit werden jüngere Generationen nicht nur in hohem Maße geschröpft, um sie erst gar nicht in die Versuchung zu bringen, den bösen privaten Pensionsvorsorgen anheimzufallen, sondern, sie werden mit eher geringen Volkspensionen das Auslangen finden müssen.


Schuld an dieser Situation tragen natürlich die Kapitalisten und nicht etwa ineffiziente, Ressourcen vernichtende staatliche Systeme. Denn: Sozial gerecht ist es, seinen Nächsten derart heiß zu lieben, dass man ihm entweder noch das letzte Hemd auszieht oder es ihm unter Gewaltandrohung zu überlassen. Schließlich gelten Leistung und Fleiß in diesem System als asozial und werden entsprechend bestraft.


Aber was verstehe ich dämliches Steuervieh schon davon ...

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30. November 2008 7 30 /11 /November /2008 18:15

Erst vor wenigen Wochen hat der US-Kongress einem "Rettungsplan" für die angeschlagenen Banken zugestimmt. 700 Milliarden Dollar sollen die - natürlich völlig unvorhersehbare! - "Finanzkrise" bewältigen.

 

Die Rettung kam buchstäblich in letzter Sekunde, um die akut vom Hungertod bedrohten Führungseliten der Banken wenigstens notdürftig mit dem Lebensnotwendigsten versorgen zu können. Nämlich läppischen 70 Milliarden an Bonuszahlungen.

 

Da bereitet es doch gleich noch viel mehr Freude seine Steuern zu bezahlen, wenn man weiß, dass das Steuergeld gut aufgehoben ist und auch in die richtigen Taschen fließt! Und für alle Neider (solche soll es ja auch geben): Tja, wärt ihr halt klug genug gewesen, in verantwortungsvolle Position innerhalb einer Bank zu gelangen und diese mit voller Absicht in tiefrote Zahlen zu stürzen!

 

Aber nein, ihr musstet ja so nutzlose Berufe wie Krankenschwester oder Straßenbahnfahrer ergreifen. Da kann man euch doch wirklich nicht mehr helfen! Schon gar nicht mit ein paar lumpigen Milliarden aus Steuertöpfen ...

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19. September 2008 5 19 /09 /September /2008 10:03

Antifa ist kein neues Duschgel, sondern eine politisch korrekte, hippe politische Bewegung im Kampf gegen den Endsieg des Faschismus. Einen bemerkenswerten Erfolg konnte diese mit wagnerianischem Pomp geführte Schlacht Good vs. Evil 2008 erringen, als ein Wachsfiguren-Hitler von einem Ausstellungsbesucher geköpft wurde. Ha! Nimm das, Hitler! Das wird dich lehren!

Man verstehe mich nicht falsch: Auch ich kann dem Faschismus nur wenig Positives abgewinnen, abgesehen von dem Faktum, dass ohne ihn europäische Filmemacher gar nicht wüssten, zu welchem Thema sie einen Film produzieren sollen.

Aber wie sinnvoll ist es, eine politische Leiche zu bekämpfen? Und vor allem: Wie mutig ist das?

„Wider den Faschismus!“

Wow. Meine Knie werden geradezu magnetisch vom Erdboden angezogen, sich ehrfürchtig in den Staub zu werfen vor soviel Heldenmut.

 

Noch mutiger wäre es nur gewesen, wenn bereits vor 70 Jahren der Widerstand diese mediale und gesellschaftliche Präsenz aufgewiesen hätte. Etwa, wenn 1943 bei Goebbels berühmter Rede im Berliner Sportpalast auf die Frage: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ die Zuhörer höflich Beifall geklatscht und sich sodann zum Ausgang begeben hätten, weil sie für die nächste Zeit schon andere Pläne hätten.

 

Aber zum Glück sind diese dunklen Zeiten in Europa vorbei und man wird heutzutage sogar dafür bewundert, sich heldenhaft gegen den Faschismus zu engagieren. Wofür man vor 70 Jahren hingerichtet worden wäre, bekommt man heute Beifall und Bewunderung gezollt, als täte man gerade etwas tatsächlich ungeheuer Wertvolles.

Dass sich die Verhältnisse umgedreht haben und man heute ins Gefängnis wandert, wenn man sich für, nicht gegen, den Faschismus engagiert, scheint niemanden zu irritieren.

Ein paar tausend rechtsradikale Spinner bilden sozusagen den Dung, auf dem die breite Antifa-Bewegung gar prächtig gewachsen ist, genau so, wie Anti-Rassismus-Kampagnen und ähnlich merkwürdiger Aktionismus.

 

Ja, natürlich ist die überwältigende Mehrheit der Deutschen und Österreicher gegen Rassismus, Kinderpornographie, Gewalt, Krieg, und so weiter.

An wen richten sich dann aber diese Kampagnen, Lichterketten, Demonstrationen oder sonstigen Aktionen eigentlich?

 

Beeindrucken könnten mich diese wackeren Kämpfer wider Faschismus und Antisemitismus, wenn sie gegen ein noch heute erfolgreich betriebenes Regime ankämpften, das diesem Feindbild exakt entspricht. Wie wäre es eigentlich mit Massendemonstrationen gegen das iranische Mullah-Regime? Am besten in Teheran?

Ach, das wäre ja dann tatsächlich mutig und gefährlich, kommt also nicht in Frage. Lieber wird im sicheren, gemütlichen Europa ein längst verblichenes System bekämpft. Oder gegen die bösen Amis gewettert, die bekanntermaßen praktisch an allem Schuld sind, selbst am damaligen Aufstieg des Nazismus. Dafür zeigen wir es den Cowboys so richtig, indem wir ihnen zeigen, wie barbarisch, dämlich und menschenverachtend sie doch sind. Immerhin sind sie fair genug, Kritik nicht mit Knüppeln zu beantworten, und das macht sie wiederum zum idealen Ziel von Kritik.

 

Aber das Regime in Teheran? Nee, da halten wir uns lieber vornehm zurück. Verärgern wollen wir sie natürlich auch nicht, etwa mit diesen abscheulichen Karikaturen. War nur ein Versehen, ehrlich! Wir wissen doch, was sich gehört. Falls euch irgendwas an uns stört, sagt es ruhig, wir sind ja tolerant!

 

Ja, Toleranz … wir sind auch tolerant genug, ein Regime zu dulden, das „die Juden“ vernichten möchte. Historiker munkeln, ähnliche Ansichten hätte es auch von anderen Regimes gegeben.

Wir sind tolerant genug, dieses Regime zu dulden, das ethnische Minderheiten wie die Kurden blutig bekämpft, Frauen unterdrückt, Schwule aufknüpft und Steinigungen anordnet – ein bisschen Abwechslung im Hinrichten muss einfach sein.

 

Das ist ja auch kein Faschismus, weil … weil … nun ja, mit denen legt man sich lieber nicht an, denn im Gegensatz zu Hitler & Co könnten die einem richtig weh tun. Also betrachten wir das einfach nicht als Faschismus und wenden uns drängenderen Problemen zu, die ähnlich aktuell sind, wie die Vernichtung Karthagos oder die Kreuzzüge.

 

Gibt es zum Nikolo eigentlich Schokolade-Hitler, denen man antifaschistisch den Kopf abbeißen kann?

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10. September 2008 3 10 /09 /September /2008 13:15

Entgegen landläufiger Meinung stellen Piercings kein modernes Phänomen dar. Bereits neun Jahrhunderte vorher piercten sich tausende Menschen im Rahmen von Massenveranstaltungen. Diese nannte man später „Kreuzzüge“ und gepierct wurde mit Schwertern. Leider waren die meisten Teilnehmer nicht krankenversichert und starben an den Folgen der Piercings.

 

Anfang der 1990er Jahre erfreute sich das Piercing im Zuge von BSE (Bullshit-Expansion), das uns unter anderem Techno-Musik, Tamagotchi, Schlümpfe-CDs und Talkshows bescherte, plötzlich wieder größter Beliebtheit. Seither haben sich Millionen Menschen Ringe, Stäbchen, Nadeln oder Handys durch die Haut treiben lassen. Neben der hierfür von der Natur vorgesehenen Stelle des Ohrläppchens, wurde auch an allen anderen möglichen und für unmöglich gehaltenen Körperstellen gelocht, gezwickt, gestochen oder zugebissen (sehr anschaulich von Boxer Mike Tyson im Ring demonstriert, als er seinem Gegner Evander Holyfield das Ohr mit blanken Zähnen piercte).

 

Als besonders trendy werden von der Jugend Intim-Piercings eingestuft. Zu recht: Kaum etwas erregt brünftige Jungen mehr, als Vaginalringe. Bei manchen afrikanischen Stämmen kann man das Alter einer Frau an diesen Vaginalringen abzählen, gleich den Jahresringen eines Baumes.

Umstritten sind hingegen Organ-Piercings, seit eine EU-Kommission vor den gesundheitlichen Gefahren warnten, die etwa einem gepiercten Herz drohen.

 

Überhaupt werden die Risiken des Piercings sträflich unterschätzt. Ein betrunkener russischer Arzt piercte den Darmverschluss eines Patienten. Seither erfolgt die Darmleerung des armen Mannes über die Speiseröhre, was zu starkem Mundgeruch und sozialer Vereinsamung führte. Statt Nasenblutens plagt den Patienten Nasenurin-Abfluss, und wenn er hustet, verteilen sich überall winzige Kotpartikelchen. Ein tragisches Einzelschicksal, dem jedoch viel zu viele nicht minder schlimme Langzeitfolgen gegenüberstehen.

 

Jedes Jahr werden tausende Jugendliche mit Wirbelsäulenschäden in Krankenhäuser eingeliefert. Grund sind die zum Teil enorm schweren Eisenringe an Lippen oder Bauchnabeln, die den Körper vornüber verkrümmen.

 

Dessen ungeachtet lassen sich immer mehr Kühe piercen, die es leid sind, dem arroganten Spott von Ochsen mit Nasenringen ausgesetzt zu sein. Auf manchen Bauernhöfen gibt es keine einzige Kuh mehr, die keinen Euter-Ring tragen würde. Der leicht metallische Geschmack der Milch hat nur dadurch zu keinen Protesten geführt, da die meisten Konsumenten auf Grund ihrer Zungen-Piercings jeglichen Geschmackssinn verloren haben.

Was übrigens auch so manche anderen popkulturellen Verfehlungen erklären dürfte.

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1. September 2008 1 01 /09 /September /2008 16:08
Es war ein perfider linguistischer Blitzkrieg, dessen Vorhut aus der Schweiz stammte und der die deutsche Sprache förmlich überrollte, mit leeren Worthülsen sturmreif schoss und innerhalb weniger Jahre besiegte. Jetzt haben wir den Salat, genauer gesagt: Das Binnen-I, bis dato einzig und allein in der deutschen Sprache vorhanden und in Österreichs Amtsstuben sogar vorgeschrieben.

Denn, was wir bösen Männer all die Jahre über nicht bemerkt hatten, war die beinahe schon traditionelle, sexistische Herabwürdigung der Frauen in der Sprache. Und deshalb verfolgt uns das Binnen-I wie eine Nemesis des Feminismus: Wer Ärger vermeiden möchte, gebraucht das Binnen-I in Stellenausschreibungen, auch, wenn explizit Männer angesprochen werden. Nun habe ich zwar in meinem ganzen Leben noch nie beispielsweise eine Kanalarbeiterin gesehen, aber es zählt ja der edle Gedanke des politisch und feministisch korrekten Arbeitgebers.

Viele Generationen an Frauen wuchsen in dem Irrglauben heran, vom Studium an den Universitäten ausgeschlossen zu sein, war doch immer nur von „Studenten“, nicht von „StudentInnen“ die Rede. Und wie viele Frauen wagten sich nicht in Supermärkte oder Fachgeschäfte, wenn die Inserate Formulierungen wie „Liebe Kunden“ verwendeten?

Mir persönlich geht die Binnen-I-Regelung nicht weit genug. Wie gerne würde ich endlich auch einmal von „die TäterInnen entkamen unerkannt“, „bekannten sich TerroristInnen von der Splittergruppe“ oder „fahndet die Kripo nach dem oder der MörderIn“ lesen! Doch aus mir völlig schleierhaften Gründen wird das Binnen-I niemals mit negativ behafteten Begriffen in Zusammenhang gebracht.

Immer noch ungeklärt ist der Umgang mit Frauen-Fußball. Was ist das Pendant zur Mannschaft? „Die Frauschaft“?
Wie spricht man gezielt weibliche Mitglieder an? „Mitscheide“?
Wenn Angela Merkel die erste weibliche Bundeskanzlerin ist, waren dann alle Bundeskanzlerinnen bislang männlichen Geschlechts?
Und wie lange noch können die Katholiken am sexistischen Papsttum festhalten? Wir sind uns doch gewiss alle einig, dass unter den nächsten KandidatInnen mindestens eine lesbische Ex-Prostituierte aus Lateinamerika sein muss. Die dank der Quotenregelung gewählt werden muss.
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26. August 2008 2 26 /08 /August /2008 14:45

Alljährlich wird sie präsentiert, und ebenso alljährlich sorgt sie für Schlagzeilen und betrübte Gesichter engagierter Naturschützer. Heuer traf es uns besonders bitter, gibt es doch auf der Liste einen neuen Spitzenreiter, der Blauwale und Säbelzahntiger von den vorderen Plätzen verdrängt hat und dessen Verlust wir als Menschheit unmöglich verkraften könnten.

 

In freier Wildbahn sind sie praktisch gar nicht mehr anzutreffen, und selbst an ihren Brutplätzen in Spanien so gut wie ausgestorben. Einst in ganz Europa verbreitet, schrumpfte ihre Population auf eine Zahl zusammen, die das Aussterben zur traurigen Gewissheit macht. Vorbei die Zeiten, als man sie noch mit freiem Auge bei ihrem faszinierenden Balzverhalten oder ihrem auf Menschen etwas befremdlich wirkenden sozialen Gebärden beobachten könnte.

 

Liebe Naturschützer, wir müssen es uns eingestehen: Die Deutschen sterben aus! Sie wollen oder können sich nicht mehr in ausreichender Menge fortpflanzen, sodass wir heute vor den erbarmungswürdigen Resten ihrer eins stolzen Population stehen.

Wir alle wollten die Schlagzeilen nicht wahrhaben, die verkündeten: „Deutsche sterben aus“. Wie auch? Viel zu lange haben wir es als selbstverständlich hingenommen, sie überall anzutreffen.

Selbst in der Antarktis konnte man sicher sein, dass irgendwo zwischen geistig verwirrten Pinguin-Rudeln ein Deutscher auftauchte und einen fragte, ob man ihn denn fotografieren könne und ob man aus Stuttgart komme.

 

Aus, vorbei. Und wie es meistens der Fall ist, war der Niedergang schleichend und wiegte uns in trügerische Sicherheit. Noch vor wenigen Jahrzehnten erstreckte sich ihr Lebensraum über fast ganz Europa; bis nach Russland und Afrika stießen sie auf ihren ausgedehnten Wanderungen vor. Selbst schießwütige amerikanische Cowboys konnten ihren Bestand nicht gefährden.

 

Und jetzt das. Woran der rätselhafte Rückgang der Art liegen mag, ist umstrittener Punkt zahlloser Spekulationen. Manche, wie Al Gore, sehen die Ursachen im Klimawandel. Andere wiederum glauben, es liege am drastischen Rückgang des Äthanols, der die Weibchen den Männchen nicht attraktiv genug erscheinen lässt, um sie zu begatten.

Daneben existieren einige exotische Theorien, die man eher ins Reich der Fabeln verweisen kann, wie etwa Rückgang der Zeugungsfähigkeit auf Grund der Handystrahlung.

 

Eine interessante, heftig umstrittene Hypothese stellte erst kürzlich ein englischer Wissenschaftler auf. Sein Zugang zur Problematik ist reichlich ungewöhnlich. Demnach hängt das Aussterben der Deutschen mit ihrem staatenbildenden – ähnlich dem Verhalten der Ameisen oder Bienen – Grundwesen zusammen. Traditionell ist die Art darauf konditioniert, ihr Leben dem Staatswesen unterzuordnen und praktisch die ganzen Früchte seiner Arbeit diesem abzugeben, um dem Gemeinwohl zu dienen.

Der umstrittenen These nach führten soziale Spannungen dazu, dass dieses ungemein kluge System kollabierte, da den meisten Individuen kaum noch genug Früchte verbleiben, um eine eigene Kolonie zu gründen. Als Folge davon wird immer weniger Nachwuchs gezeugt.

 

Ob diese Theorie im Einzelnen stimmen mag oder nicht: Wir werden sie vermissen, die fleißigen Deutschen. Sie, und ihre süßen Früchte, die sie einst in die ganze Welt trugen.

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